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Zu unserer Partnergemeinde

Vor dem Haupteingang des Lyzeums v.l.n.r. Direktor Joszef Grzesiuk, Deutschlehrerin Anna Mrozek, 1. Bürgermeisterstellvertreter Heinrich Schuler

Izbica liegt im Südosten von Polen an der Fernverkehrsstraße Nr. 17/E 372 zwischen der etwa 55 km entfernten Stadt Lublin und der etwa 24 km entfernten Stadt Zamosc.

Im westlichen Teil des Ortes fließt das Flüsschen Wieprz. Bis zum Grenzübergang bei Hrebenne in die Ukraine sind es ca.85 km. Kommunalpolitisch ist Izbica Teil des Landkreises Krasnystaw. Selbiger wiederum ist der Woiwodschaft Lublin zugeordnet.

26 Ortsteile mit zusammen ca. 8.800 Einwohnern gehören zum Gemeindegebiet, welches eine Fläche von etwa 138 qkm umfasst [sic. Winterlingen hat ca. 50 qkm] . Der Kernort Izbica hat ca. 1.900 Einwohner. Industrie ist nahezu keine vorhanden. Die Menschen leben hauptsächlich von der Landwirtschaft. Izbica und Umgebung liegt in einer landschaftlich leicht hügelig welligen, weithin unberührt wirkenden und naturbelassenen Landschaft.

Im Gemeindegebiet gibt es die drei selbstständigen Pfarreien Tarnogora, Orlow und Wirkowice. Der Kernort Izbica ist diesbezüglich Tarnogora zugeordnet. Der Pfarrer von Izbica-Tarnogora heißt Jaroslaw Wojcik. In den genannten drei Kirchengemeinden gibt es jeweils einen Kirchenchor. In Zusammenarbeit mit der Katholischen Kirche unterhält die Gemeinde Izbica ein Altersheim mit etwa 24 Plätzen.

Auch im Bereich des Kindergarten- und Schulwesens ist Izbica bemerkenswert aufgestellt. Es gibt 2 Kindergärten, in nahezu jedem Ort eine Grundschule und in Izbica, Orlow und Tarnogora jeweils ein Gymnasium. Hinzu kommen ein Lyzeum mit Internat und die daran angegliederte technische Fachschule für Gastronomie. Eingebettet in eine parkähnliche Anlage ist das Lyzeum, dessen Namensgeber der polnische Dichter und Poet Jan Kochanowski (1530 – 1584) ist, in einem vormals herrschaftlichen Anwesen der Adelsfamilie Smorczewski untergebracht. Jozef Grzesiuk, der sehr rührige Direktor unserer Partnerschaftsschule ist im Gesamtgefüge betrachtet, zusammen mit den Pfarrern der Gemeinde reger Unterstützer und Förderer der Gemeindepartnerschaft.

Was das Vereinsleben anlangt gibt es in Izbica einen Fußballclub, die Freiwillige Feuerwehr und einen daraus entstandenen Musikverein. In allen Teilorten haben sich Frauen zu so genannten Hausfrauenvereinigungen zusammen geschlossen und treffen sich regelmäßig. Sie bewahren und pflegen die regionale Handarbeitskultur und das Brauchtum. Bei allen Festlichkeiten in der Gemeinde wirken sie aktiv mit.

Bürgermeister der Gemeinde ist Karol Jerzy Babiarz, sein hauptamtlicher Stellvertreter Jozef Bobel. Der Vorsitzende des 18 Personen zählenden Gemeinderates ist Andrzej Suszek. Die Anschrift der Gemeinde Izbica lautet: ul. Gminna 4, 22-375 Izbica.

Das Umland

Die Region Lublin zeichnet sich durch außergewöhnliche Naturreichtümer aus. Fast ein Drittel der Bodenfläche dieser Region ist geschützt. Darunter sind die zwei Naturparks Roztosze und Polesie, 17 Landschaftsparks, 83 Naturreservate und 17 Landschaftsschutzgebiete. Die mittelalterliche Stadt Lublin lockt mit einer Vielzahl von Baudenkmälern, der malerisch gelegenen Altstadt und Vielem mehr. Das Lubliner Gebiet ist reich an Kulturgütern, einzelnen Objekten und urbanistischen Stadtensembles. Zamosc ist eines davon. Der Stadtkern mit Marktplatz wurde vom venezianischen Baumeister Bernardo Morando projektiert. Zamosc wird auch „Padua des Nordens“ genannt. Die Altstadt ist seit 1992 in die UNESCO-Liste des natürlichen und kulturellen Naturerbes aufgenommen.
Ein kurzer Blick in die Geschichte der Gemeinde
Izbica wurde erstmals 1419 als Dorf urkundlich erwähnt. Gegründet wurde die Stadt im Jahr 1750 und war in königlichem Besitz. In Folge eines Erlasses im Jahr 1744 wurde die Stadt für die aus dem benachbarten Tarnogora stammenden Juden gegründet. Bereits um 1560 lebten vereinzelt Juden in Izbica. 1819 wurde südlich vom Marktplatz gelegen mit Ziegelsteinen eine Synagoge gebaut. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte der bekannte Tzaddik Mordechaj Josef Teiner seinen Wohnsitz in Izbica. Er war der Begründer der so genannten Dynastie der Tzaddiks Izbica-Radzyn, deren letzte Nachkommen im Jahr 1942 ermordet wurden. Im Jahr 1897 lebten 3019 Juden in Izbica. Das waren ca. 95 % aller Einwohner. [ Quelle: A Guide to Jewish, Lublin and Surroundings; Andrzej Trzcinski 1991]
Vor dem Überfall Deutschlands auf Polen im Jahr 1939 zählte Izbica etwa 6.000 Einwohner. Die örtlichen Juden waren damals mit über 90 % an der Gesamtvölkerung prägend für das Schtetl Izbica. [ Quelle: Thomas Toivi Blatt, im Jahr 2000 zum Autor]
Während der Okkupation errichteten die Nationalsozialisten als Zwischenstation für die Deportation der Juden in die Vernichtungslager Belzec und Sobibor in Izbica ein Durchgangslager. Bereits 1941 wurden jüdische Einwohner u.a aus Lodz, Krakau, Kolo, Konin und Rzgow nach Izbica „umgesiedelt“. Im März 1942 begannen die großen Deportationen jüdischer Menschen aus Deutschland, der Tschechoslowakei und aus Österreich nach Izbica. Die Menschen verbrachten in der Regel nur wenige Wochen oder Monate in dem Durchgangslager, bevor sie in die Vernichtungslager Belzec und Sobibor abtransportiert wurden. Vermutlich am 23. April 1943 wurden die letzten Juden von Izbica deportiert. Ziel war das Vernichtungslager Sobibor. In diesem Transport waren auch Thomas Blatt und seine Familie. Als einer von sehr wenigen Menschen hat Thomas Blatt (*1927 in Izbica) Sobibor überlebt. Geschätzt wird, dass für insgesamt etwa 26.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder Izbica die letzte Station auf ihrem Weg in die Vernichtungslager gewesen ist. Wie viele Menschen im Ort selber umgebracht wurden, an Hunger oder als Folge von Krankheiten verstarben, oder auf eine andere Art und Weise zu Tode gekommen sind, wird vermutlich niemals genau bekannt werden. Dies gilt auch für die Menschen, welche auf dem jüdischen Friedhof in Izbica erschossen und dort in Massengräbern verscharrt worden sind. Man schätzt, dass dies zusammen mehr als 3.000 Menschen gewesen sind. Ob Selma Burkart in Izbica zu Tode gekommen ist, oder im Vernichtungslager Belzec ermordet wurde, wird sehr wahrscheinlich für immer unbekannt bleiben.

Literatura:
  • Thomas Toivi Blatt
    Nur die Schatten bleiben. Aufbau-Verlag Berling, ISBN 3-351-02504-1
  • Robert Kuwalek Das Durchgangsghetto in Izbica In: Theresienstädter Studien und Dokumente 2003, S. 321 – 351
  • Dieter Pohl
    Von der „Judenpolitik “ zum Judenmord.
    Der Distrikt Lublin des Generalgouvernements 1939-1944.
    Verlag Peter Lang GmbH Frankfurt am Main, ISSN 0724-6285, ISBN 3-631-45716-2
  • Bogdan Musial
    Deutsche Zivilverwaltung und Judenverfolgung im Generalgouvernement.
    Eine Fallstudie zum Distrikt Lublin 1939-1944.
    Deutsches Historisches Institut Warschau, Quellen und Studie Band 10.
    Harrassowitz Verlag Wiesbaden, ISSN 0947-4226, ISBN 3-447-04208-7
  • Mark Rosemann
    In einem unbewachten Augenblick.
    Aufbau-Verlag Berlin, ISBN 3-351-02531-9
  • Ingrid Schupetta
    Deportationsziel Izbica
    Izbica - Ghetto ohne Mauern
  • Bildungswerk Stanislaw Hantz e.V.
    Dörnbergstrasse 12
    34119 Kassel
    www.bildungswerk-ks.de
  • Aktivtourismus in der Lubliner Region
    Hrsg.: Magg s.c. Agencia Reklamy M. Bochynski, G. Jaworski
    ISBN 83-914511-8-6
    magg@futuro.pl
  • Zamosc - Ideale Stadt
    Hrsg.: Stadtverwaltung Zamosc , Rynek Wielki 13
    www.zamosc.pl
  • SWR Dokumentarfilm (CD-ROM)
    Izbica - Drehkreuz des Todes
    Länge: 88’37’’: MEDIA-Services 76522 Baden-Baden. Telefon 07221 / 929-500
  • Link zu www.izbica.ug.mbnet.pl oder www.gminaizbica.eu/de